Geschichte des Marie-Christian-Heime e.V.

Niemand auf dem Waldhof wird abgewiesen...
Mütterheim, Rönner Weg 75 in Kiel, Foto aus dem Archiv des Marie-Christian-Heime e.V.
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gibt dem Neubau auf dem Waldhof einen Namen

Diese Worte sowie der Familienname Pinn sind untrennbar mit dem Stadtteil Kiel-Kroog verbunden.

Der Marie-Christian-Heime e.V. ist im Jahr 2008 100 Jahre geworden. Für einen Verein ist dies ein seltener Name, der sich aus den Vornamen der Eltern der langjährigen Leiterin Anneliese Pinn, zusammensetzt.

Oberin Pinn wurde 1900 geboren. Sie wuchs in der heutigen Innenstadt im Gebiet der Gartenstraße auf. In Krankenhäusern der Stadt Kiel und der Marine sammelte sie insbesondere unter den dortigen Soldaten erste tiefe soziale Erfahrungen. Während eines ihrer Praktika lernte sie Schwester Therese Blunck, die Gründerin des 1908 entstandenen Kieler Mädchenheims in der Gartenstraße kennen. Sie begann ihre Arbeit als suspendierte Rote-Kreuz-Schwester in einer Einzimmerwohnung, und diese galt lediglich den so genannten „gefallenen Mädchen“, deren Schicksal sie im Städtischen Krankenhaus kennen lernte. Diese wussten bei ihrer Entlassung häufig nicht, wohin sie gehen sollten und fanden so Unterkunft bei ihr.

Die Frauen wurden bis hinein in die „Unterwelt“, den Lokalen im Hafen aufgefangen. Eine „Kate“ im Viehburg kam mit bewegter Geschichte bis zur schwerwiegenden Kündigung durch die Kieler Stadtmission im Jahr 1952 hinzu. „Treue Kavaliere“ der Kieler Gesellschaft begleiteten die Arbeit, so dass es weiter aufwärts ging. Die ersten zentralen Gebäudeteile wurden in der Gartenstraße mit 90 Plätzen 1948 errichtet.

1952 löste die Kündigung der Kate die räumliche Veränderung in den Stadtteil Kroog aus. Kaufmann Sperling sollte sein Haus „Waldfrieden“ auf dem heutigen Gelände verkaufen. Die Einrichtung wuchs zu dem, was heute weiten Teilen der Bevölkerung sowie der Fachwelt als Marie-Christian-Heime e.V. bekannt ist. Geld war immer knapp. Doch damals wie heute gelingt es durch persönlichen Einsatz der Mitarbeiterschaft und ehrenamtliche Unterstützung immer wieder genügend zu erhalten. Unterkünfte, Werkstätten, eine Waschküche, eine Küche entstanden durch ortsansässige Bauunternehmen. Es wurden bis vor kurzem nach und nach 10 Gebäude errichtet und die Angebote professionalisierten und differenzierten sich bis heute immer weiter.

Ein besonderes Gebäude stellt das „Schiff“ mit seiner Kapelle dar. Seit Jahren ist es vielen Bürgern und Vereinen bekannt und wird auch Kultur- und Begegnungszentrum genutzt. Etliche Künstler waren im Rahmen unterschiedlichster Veranstaltungen von „Kultur vor Ort“ unsere Gäste. Externe Häuser sowie zwei Kindergärten auf dem Gelände des Waldhofs und im „Lug in’s Land“ kamen zu unserer Arbeit hinzu. Im Jahr 2007 wurde das ManuFact, das neue Werkstättenhaus, nach zweijähriger Bauzeit, eingeweiht.

Aktuell und in Zukunft stehen insbesondere zwei Herausforderungen an: Zum einen die Verlagerung von Wohnformen in die Stadtteile im Rahmen der Inklusion, zum anderen zahlreiche, kostenintensive Renovierungen der auf dem Hauptgelände verbleibenden Wohnhäuser, um den Bewohnerinnen und Bewohnern auch in Zukunft einen attraktiven Wohnraum zu bieten.

Die diakonische Einrichtung wurde in der Vergangenheit mit Beginn 1908 von Therese Blunck und Anneliese Pinn (1948 bis 1978) geleitet. Als weitere Gesamtleitungen folgten Rosemarie Endriß (bis 1995), Gerlinde Ghattas (bis 2001) sowie Fritz Knispel bis 2008. Seit Mai 2008  liegt die Führung der motivierten Mitarbeiterschaft in Händen von Herrn Burkhard Ziebell.

Auf bürgerschaftlichem Engagement ist der Marie-Christian-Heime e.V. gegründet. Heute ist es nicht anders wie damals. Am 2. März 2011 wurde Ernst-Peter Prestin, Vorsitzender des Aufsichtsrates,  für sein besonderes und vorbildliches ehrenamtliches Engagement in den Marie-Christian-Heimen, die Verdienstmeidaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch den amtierenden Bundespräsidenten verliehen.   

2013 ist ein ganz besonderes Jahr für die Siedlung Kroog. Das hundertjährige Jubiläum wurde begangen. Kirchen, Vereine und Initiativen in Kroog beteiligten sich an der Gestaltung des umfangreichen Festprogramms. In diesem Zusammenhang wurde am 24. August 2013 die Arche-Noah-Kapelle auf dem Waldhof durch den Bischofsvertreter Gothart Magaard in einem festlichen Gottesdienst geweiht. Somit erhält die Siedlung Kroog nach 100 Jahren einen sakralen Raum. 

Die Marie-Christian-Heime erfahren in diesem Jahr durch den Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein eine ganz besondere und wertschätzende Auszeichnung. Für das nunmehr 105jährige soziale und diakonische Engagement in Stadt und Land überreicht Staatssekretär Ralph Müller-Beck die Ehrenurkunde des Landes an Vorstand Burkhard Ziebell. 

Ministerin Kristin Alheit und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar ziehen sich am 1. Dezember 2015 die Gummistiefel an. An diesem Tag wird der erste Spatenstich für ein inklusives Wohnprojekt auf dem Waldhof gesetzt. 29 Wohnplätze für Menschen mit Behinderungen entstehen auf einer moorigen Wiese sowie 7 frei vermietbare Wohnungen. Am 4. Mai 2017 ist es dann so weit, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig verleiht dem Haus den Namen der Gründerin: Therese-Blunck-Haus. Ca. 4,6 Millionen Euro werden investiert. Im Sommer wird das neue Haus bezogen. Gleichzeitig findet der Straßenausbau auf dem Waldhof statt. Es wird eine Bushaltestelle für den öffentlichen Nahverkehr auf dem Gelände eingerichtet um mehr Teilhabe zu ermöglichen und Barrierefreiheit zu gewährleisten.