Psychoedukationsgruppe
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist zu beobachten, dass die eigenen Kompetenzen, Stress und individuelle Belastungen einen wichtigen Einfluss auf den Verlauf einer psychischen Erkrankungen haben. Stress bedeutet häufig Überforderung, sowie Beeinträchtigung des Wohlbefindens und fördert die Angst vor einem Rückfall und dem Wiederauftreten oder der Verstärkung von erlebten Symptomen.
Um den Umgang mit der eigenen Erkrankung zu verbessern, wurde im Therese-Blunck-Haus ein wöchentliches diagnoseübergreifendes Gruppenangebot, die „Psychoedukationsgruppe“ eingerichtet.
Ziel ist es, die Krankheit genauer kennenzulernen, um einen besseren Umgang mit dieser zu gewährleisten, z.B. indem persönliche Erfahrungen mit der eigenen Erkrankung mit dem erlernten Wissen über die Erkrankung verbunden werden. Des Weiteren sollen eigene Ressourcen und Möglichkeiten kennengelernt werden, um mögliche Rückfälle zu vermeiden und langfristig zur eigenen Gesundheit beizutragen. Durch einen aktiven Umgang mit einer psychotischen Erkrankung und einer zuverlässigen medikamentösen Therapie kann die Rückfallhäufigkeit deutlich reduziert werden.
Grundlage für die Psychoedukationsgruppe bildet das Vulnerabilitäts-Stress-Modell nach Zubin und Spring. Dieses Modell zeigt, dass eine Erkrankung dann ausbrechen kann, wenn
- eine Empfindlichkeit (Vulnerabilität) vorhanden ist, die anlagebedingt und/oder lebensgeschichtlich erworben sein kann und
- eine innere und/oder äußere Stresssituation zusammen treffen.
Die Psychoedukationsgruppe ist als fortlaufendes Gruppenangebot mit wöchentlichen Sitzungen konzipiert und wird von zwei Mitarbeiter(innen) moderiert. Jede Sitzung umfasst einen Zeitraum von 60 Minuten. Das Angebot einer solchen Gruppe verbessert die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter(inn)en und Klient(inn)en.
Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Gespräch und der Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmer(inn)en und den Moderator(inn)en. Die Autonomie der Teilnehmer(inn)en wird gestärkt und die Kommunikation untereinander gefördert. Die Möglichkeit zum Austausch mit Betroffenen fördert das Erleben von gegenseitigem Verständnis und Unterstützung und ist hilfreich für die Alltagsbewältigung sowie die Vermeidung bzw. Reduzierung von Rückfällen.
Wichtige Elemente in der Psychoedukation sind:
- Informationsvermittlung (Symptomatik der Störung, Ursachen, Behandlungskonzepte etc.)
- emotionale Entlastung (Verständnis fördern, Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, etc.)
- Unterstützung einer medikamentösen oder psychotherapeutischen Behandlung, indem die Kooperation zwischen Mitarbeiter(in) und Klient(in) (Compliance) gefördert wird
- „Hilfe zur Selbsthilfe“
- das Erkennen von individuellen Frühwarnzeichen
- Nutzung von persönlichen Ressourcen und Nutzung des Arbeits- und Unterstützungssystems
- Förderung der Problemlösekompetenzen
- Förderung des positiven Erlebens, des Wohlbefindens und der Lebensqualität
- Vermeidung von Überforderung und Unterforderung
- Aufsuchen und Kennenlernen des optimalen Belastungsniveaus
